1936 entstand in Brixen unter dem Architektenduo Mansutti e Miozzo im Auftrag der ONB (Opera Nazionale Balilla) zur „körperlichen und moralischen Ertüchtigung der italienischen Jugend“ und allgemeinen repräsentativen Zwecken la Casa del Balilla. Der Gebäudekomplex liegt an einem urbanistisch markanten Eckpunkt (Romstraße/ Dantestraße) und bildet einen Kontrapunkt zum mittelalterlichen Stadtkern.
Die neue Architektur für die Jugend bat einst Raum für Theateraufführungen, Turnaktivitäten und verschiedene andere Veranstaltungen.Die ONB war zunächst dem Bildungsministerium unterstellt und wurde 1937 in die GIL (Gioventù Italiana del Littorio) umgewandelt. Somit gingen alle Liegenschaften der ONB in den Besitz der GIL über. Nach dem Untergang des Faschismus wurde der Gebäudekomplex in Ex-GIL umbenannt, um innerstaatlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen.In den 60er Jahren beherbergte das Ex-GIL Gebäude ein Kino, Gemeindeämter, Vereinsräume und eine Turnhalle. Nachdem es auch diese Funktionen verlor (bis auf das Kino) verwahrloste das Ex-GIL-Gelände über viele Jahre.
1993 entschloss man sich für die Rückgewinnung des Areals wobei das Auditorium nicht berührt wurde. 2001 wurde der langestreckte Teil mit sämtlichen Nebenräumen abgerissen und daraus ein „Kulturzentrum mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten“ errichtet, das sogenannte Forum Brixen. Das damalige Architekturbüro „Arch“ mit den Architekten Colombi, De Dominicis und Dalsass, „ergänzte die denkmalgeschützte Bausubstanz mit zeitgemäßer Architektur aus Glas, Holz und Beton, mit dem Ziel, die Grundlage für ein modernes Kulturhaus und Kongresszentrum zu schaffen.“Der organische Theaterbau steht immer noch und wurde bis 2011 als deutschsprachiges Kino verwendet. Heute steht das Kino leer und wartet auf seine Bestimmung.Lange stand das Gebäude unter Denkmalschutz, bis 1993 ein Dekret der Provinz Bozen erlassen wurde, in dem historische Gebäude die älter als fünfzig Jahre waren, nicht mehr unter Denkmalschutz standen. Somit auch das Astra Kino , das bereits nicht mehr auf der Denkmalliste Brixens aufscheint. Trotzdem kämpft das Denkmalamt um seine Erhaltung, da es von geschichtlicher und künstlerischer Wichtigkeit ist.

Die Architektur der Casa del balilla zeigt eindeutig den Stil der zwei Paduaner Architekten.
Die sogenannten nuclei funzionali (funktionalen Zellen) wurden durch architektonische Elemente übersetzt. Das langgestreckte Zentralgebäude mit Zugängen und Nebenräumen verbindet das elliptische Theater mit der quaderförmigen Turnhalle.
Die Architekten liebten es mit theatralischen Effekten zu spielen. Durch die Längsstreckung der beschränkten Baumasse (Nordfassade mit 100m), täuschten sie mehr vor als im Endeffekt war. Um die Fassade aufzulockern bauten sie zwischen dem Zentralgebäude und dem Auditorium eine pergola, ein mit Holzlatten überdachter Laubengang. Zudem grenzten die vier Elemente Turnhalle, Zentralgebäude, Auditorium und pergola den Innenhof ein, der als Sport- und Turnübungsplatz genutzt wurde. Die Außenfassade ist betont sachlich und erfährt eine vertikale Gliederung durch die Abstufung der Baukörper und durch den Treppenturm, der sich am Zentralgebäude Richtung pergola angliederte. Auch die Fronten der einzelnen Baukörper werden – selbst wenn sie unterschiedlichen Funktionen dienen – durch Fensterbänder horizontal gegliedert.
Das heute noch existierende Auditorium (Theatersaal, später Kinosaal) besteht aus einem Zylinder auf ellipsenförmigen Grundriss. An den beiden Enden der Hauptachse befinden sich Eingang und Bühne. An den Außenseiten der Ellipse verläuft ein Bogengang pergolato, der von Stahlbetonsäulen, gestützt wird. Der Saalboden ist geneigt, deshalb sind die Stahlbetonsäulen in der Höhe abgestuft. Die Neigung setzt sich im Profil des Gewölberückens fort und ist auch von Außen sichtbar.Der Saal hat eine Traufenhöhe von acht Metern und wird von einer Stahlbeton-Decke abgeschlossen. Deren Struktur mit aneinandergereihten Stahlbetonträgern erinnert an den Baustil des italienischen Ingenieurs Pier Luigi Nervi.
Früher erstrahlte die Außenfassade in einem pompejischen Rot. Indem man die Pigmente in den Fassadenputz mischte wurde die Farbe intensiver. Das Rot war in Byzanz und Rom die Farbe des Kaisers, also zum Sinnbild höchster Macht. Auffällig sind auch die hellen weißen Sprossfenster die sehr kontrastreich zur Fassade sind. Nachdem der Fassadenputz abbröckelte wurde das Gebäude in den Sechszigern mit einem Ocker Ton neu bestrichen.
Die einheitliche Farbe war ein sichtbares Zeichen für die Zusammengehörigkeit des Komplexes.„Die Absicht der Planer ist klar: Sie wollten den Bau gliedern und gleichzeitig ein homogenes Gesamterscheinungsbild erreichen. Sie beschäftigen sich nicht nur mit der streng geometrisch gestalteten Verbindung der Bauteile, sondern sie suchen auch nach unveränderlichen und wiederkehrenden Gestaltungselementen.“Die Architekten Mansutti e Miozzo bauten in den dreißiger Jahren im Auftrag der ONB in ganz Oberitalien, darunter auch Bozen, Meran und Sterzing, sowie Brescia, Belluno, Padua Vicenza. Die Gebäude die zwischen 1931 und 1934 entstanden wirkten klobiger, da die Baukörper nur aneinander gereiht wurden. Die Anlagen die später gebaut wurden, darunter auch Brixen, erstreckten sich freier auf dem Gelände und zeugten von einer größeren architektonischen Klarheit. Die in der Form fast identischen Elemente wie das Hauptgebäude, pergola, Turnhalle und Auditorium tauchen bei allen GIL Anlagen auf, sind aber verschieden zusammengesetzt und passen sich der jeweiligen Umgebung an. Brixen, Bozen, Meran und Vicenza weisen den gleichen ovalen Theaterbau auf. Gewisse Stilelemente werden immer wieder wiederholt wie die Sachlichkeit durch die Betonung der Horizontalen und Vertikalen und die rote Fassadenfarbe.

Quelle: Johanna Kiebacher